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Diskussionsseite „Wie werden Italiener in Deutschland gesehen?“

Was heißt „typisch italienisch“? – Das Bild der Italiener gestern und heute

1955: Deutschland schloss einen Vertrag mit Italien, der die Migration von Gastarbeitern erheblich leichter machte. Sie kamen nach Deutschland und strebten nach einer besseren Zukunft, ohne ein Wort Deutsch sprechen zu können. Eingesetzt in der Gastronomie oder als Handwerker in Großindustrien – der Italiener war damals eher verachtet als geachtet: „Die Qualifikationen vieler Gastarbeiter wurden weder gebraucht noch zur Kenntnis genommen. Auch sprach man sie nicht an, sodass sie stundenlang schweigend vor sich hin werkeln konnten.“
„“Ich zeige dir, was mit euch Scheißern passiert, wenn ihr eine deutsche Frau anfasst!“, brüllte der Kerl und hieb Antonio zweimal trocken auf die Nase, die sofort brach“, heißt es beispielsweise in Weilers Maria ihm schmeckt’s nicht. Kohlehydratfresser und Pasta-Verehrer: Der typische Italiener kam damals mit einem Pappkoffer voller Träume und sehnte sich nur nach seinem Belpaese, in das er als gran signore irgendwann einmal zurückkehren wollte.

2013: Sie kommen nach Deutschland mit den modernsten Trolleys und besseren Aufstiegschancen: viele von ihnen sind Ärzte, Ingenieure, Informatiker oder Wirtschaftler. Dieses Phänomen wird als Flucht der Gehirne, fuga die cervelli, bezeichnet und treibt etwa 30.000 Italiener jedes Jahr ins Ausland. Allerdings bleiben Italienern weiterhin wertvolle Arbeitsplätze auf dem deutschen Arbeitsmarkt vorenthalten und sie sind in den Augen der Deutschen nach wie vor integrationsunfähig. „Es ist schwer, die Italiener ins Boot zu holen“, sagt auch der Stuttgarter Integrationsbeauftragte Gari Pavkovic: „Ob Gesundheitshilfen, Integrationskurse oder Sprachangebote für Mütter in Schulen: Kaum eine andere Gruppe lässt sich so wenig einbinden wie die Italiener“.

Hat sich trotz höherer Bildung und deutlich besserer Sprachkenntnisse das Bild der Italiener in der Allgemeinvorstellung der Deutschen kaum verändert? Oder spielen die Italiener die Opferrolle, wenn sie sich darüber beklagen, von den Deutschen kaum akzeptiert zu werden?